Madrid, España
), págs. 153-169Ausgehend von Georges-Arthur Goldschmidts Überlegungen zum langen „Nachexil“ eines jüdischen Überlebenden des Nationalsozialismus konzentriert sich der Artikel auf die zahlreichen Reisen und Ortswechsel, von denen ehemalige Exilierte in ihren Schriften berichten. Das Europa der Vertriebenen nach 1945 ist geprägt von einer hohen und oft erratischen Mobilität. Vor diesem Hintergrund sind die Reisen der Rückkehrer*innen von besonderer Relevanz. Für jüdische Rückkehrende stellte die Remigration nach Deutschland aufgrund der Nahgeschichte des Holocaust eine besondere Herausforderung dar. In diesem thematischen Kontext untersuche ich insbesondere das Werk der Dichterin und Intellektuellen Hilde Domin, das dieses komplexe Nachexil exemplarisch veranschaulicht. Neben lyrischen Zeugnissen konzentriert sich mein Beitrag auf ihre Essays, wobei auch ihre Korrespondenz und ihr öffentliches Auftreten in Westdeutschland berücksichtigt werden. Hier beleuchtet Domin ihre Rückkehrversuche, ihre Unruhe und ihre langen Aufenthalte in Spanien, die von einer fragilen und hybriden Identität zeugen. Die Untersuchung zeigt, dass die Motive des Verlassens und des Bleiben-Dürfens in Domins Schriften in einem dialektischen Spannungsverhältnis stehen.
Based on Georges-Arthur Goldschmidt’s reflections on the long ‘post-exile’ of a Jewish survivor of National Socialism, this article focuses on the numerous journeys and changes of location reported in the writings of former exiles. The Europe of displaced persons after 1945 is characterised by intensive and often erratic travel routes. Against this background, the journeys of the returnees are of particular relevance. For Jewish returnees, remigration to Germany posed a singular challenge due to the recent history of the genocide. Within this thematic context, the work of the poet and intellectual Hilde Domin is specifically examined, as it exemplifies this complex ‘post-exile’. In addition to lyrical testimonies, this contribution focuses on her essays while also con- sidering her correspondence and public appearances in West Germany. There, Domin sheds light on her attempts to return, her restlessness, and her long stays in Spain, which bear witness to a fragile and hybrid identity. The analysis reveals that the motifs of leaving and being allowed to stay are in a dialectical relationship of tension within Domin’s writings.